Anlagenschutzzonen Flugsicherung & Wetterradar DWD

Der Deutsche Wetterdienst hat, sicherlich auch aus aktuellem Anlaß, eine aktuelle Broschüre mit dem Titel "Unwetterwarnungen oder Strom aus Windenergie - WKA verfälschen Messungen des Wetterradars" herausgebracht.

Zitat:

"Die 15-km-Schutzzonen der 18 Wetterradaranlagen des DWD umfassen etwa drei Prozent der Fläche Deutschlands. Innerhalb dieser Zonen kann der DWD -solange es keine Lösung für diesen Konflikt gibt - keinen Kompromis eingehen, der die Warnung der Bevölkerung vor Wettergefahren gefährdet."
 

Hier ist der Link zum Herunterladen der Broschüre.

 

Quelle: DWD
Quelle: DWD

Die beantragten beiden Windkraftanlagen auf dem Tannenkopf in Roßdorf liegen in der Anlagenschutzzone des Wetterradars des Deutschen Wetterdienstes (DWD).
Es handelt sich hierbei um den Wetterradarpunkt Dreieich Offenthal, der auf einer Höhe von 246 m üNN steht. Im Rahmen des Antragsverfahren erfolgt eine Einzelfallprüfung durch das BAF bzw. DWD, wenn sich die WEA innerhalb der Anlagenschutzzone befindet.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) ist der einzige Betreiber eines landesweiten Wetterradarmessnetzes in der Bundesrepublik Deutschland und führt damit eine hoheitliche Aufgabe aus.

Die Errichtung von WEA ist im Außenbereich gemäß § 35 Abs. 1 Nr. 5 BauGB privilegiert zulässig, sofern keine öffentlichen Belange entgegenstehen. Als öffentlicher
Belang kommt nach § 35 Abs. 3 Nr. 8 BauGB eine Störung des Wetterradars in Betracht.
Aus diesem Grund ist der DWD als Träger öffentlicher Belange in etwaigen Planungs- sowie Genehmigungsverfahren für die Errichtung und den Betrieb von WKA zu beteiligen.

 

Das Messnetz des DWD besteht deutschlandweit aus 17 Wetterradarsystemen und einem Qualitätssicherungsradar am Meteorologischen Observatorium Hohenpeißenberg. Wetterradarsysteme sind nach Angaben des DWD das einzige bekannte Messverfahren, welches für eine flächendeckende Erfassung von Niederschlag und gefährlichen Wettererscheinungen zur Verfügung steht. Aus Satellitendaten lassen sich diese Informationen nicht ableiten. Alle für Deutschland verfügbaren Informationen zur flächendeckenden Verteilung des Niederschlags werden entsprechend aus den Daten des Wetterradarmessnetzes des DWD gewonnen. Die Radardaten finden Anwendung im Bevölkerungsschutz, Hochwasserschutz, Straßen-, Schienen-, Luftverkehr und der Flussschifffahrt sowie bei Land- und Forstwirtschaft, bei Energieversorgern, öffentlichen und privaten Institutionen, Versicherungen und der Bundeswehr.  „Windkraftanlagen stören aber das Signal“, erklärt DWD-Experte Axel Hoff. Im Gegensatz zu unbeweglichen Objekten wie Türmen kann der Einfluss beweglicher Objekte nicht mathematisch aus den Messwerten herausgerechnet werden. Und der DWD will möglichst weit "schauen" können, denn immerhin geht es um die hoheitliche Aufgabe der Wetterbeobachtungen, Vorhersagen und Unwetterwarnungen.

Doch die schnell drehenden Rotoren erscheinen auf dem Radar wie bewegte Objekte, sie simulieren quasi bewegte Wolken. Die abgefälschten Signale werfen manchmal Echos wie Niederschläge oder Gewitter.

"Das Radar funktioniert, aber die Echos sind gestört. Wir sind praktisch blind und sehen nicht, welches Wetter da auf uns zukommt", sagt ein DWD Sprecher.
An anderen DWD-Standorten gibt es ähnliche Probleme. Technische Lösungen sind noch nicht in Sicht. Es ist nicht einfach, Radartürme einfach höher zu bauen, oder gar zu verlegen.

 

WEA stehen damit in einem Konflikt mit Navigations- und Überwachungseinrichtungen (Radar) der Deutschen Flugsicherung GmbH (DFS) und den Wetterradaranlagen des Deutschen Wetterdienst (DWD). Durch Reflektionen der erzeugten elektromagnetischen
Wellen der jeweiligen Anlagen kann es zu fehlerhaften Anzeigen im Cockpit oder auf
dem Radar kommen. Dies kann möglicherweise zu einer Beeinträchtigung
der Navigationsleistung der Luftfahrzeuge (LFZ) und der Erkennung von Wetterphänomenen
führen. Auf Grund von entsprechenden Prüfverfahren der DFS und des DWD können mögliche Bauvorhaben von WEA untersagt werden, wenn die Untersuchungen eine solche Beeinträchtigung nachweisen und sie sich oberhalb seitens internationaler oder durch die DFS oder DWD festgelegter Grenzwerte bewegen.


Der DWD setzt bei der Bewertung des Einflusses von WEA auf die Radarsysteme, internationale Richtlinien der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) um.

Hierbei wird gefordert, dass der nähere Umkreis von 5 Kilometer um die Wetterradarstandorte komplett frei von WEA zu halten ist.
In einem Radius von 15 Kilometern
gelten für WEA Höhenbeschränkungen, damit die Radarmessungen nach derzeitigem Wissensstand möglichst wenig beeinflusst werden. Dies bedarf immer einer Einzelfallprüfung.

Für den geplanten WEA Standort auf dem Tannenkopf gelten als maximale Höhe, also Höhe der WEA bei Rotorblatt auf 12 Uhr Stellung bei max. 15 km Entfernung 263 m üNN. Der Tannenkopf liegt auf 215 bzw. 219 m üNN, die gesamte Anlagenhöhe der geplanten WEA liegt bei 199 m (Nabenhöhe 139 m + 60 m Rotorblattlänge), d.h. Gesamthöhe der Anlage auf dem Standort Tannenkopf sind laut Gutachten 414 m bzw. 418 m üNN.
Das sind fast 200 m über dem Grenzwert des DWD.

 

Die DWD Stellungnahme und das Gutachten liegt uns noch nicht vor. Erst im April hatte das RP Darmstadt den DWD in das laufende Genehmigungsverfahren eingebunden, obwohl diese Fakten schon seit geraumer Zeit auch dem Antragsteller hätten bekannt sein müssen.


Aus dem Darmstädter Echo konnte man am 5. August 2014 entnehmen, dass der DWD die Zustimmung als einzige Bundesbehörde bis dato verweigert hat.


Am Dienstag, den 20.Januar 2015 konnte man dann dem Darmstädter Echo erneut entnehmen, dass es keine Kompromisse für die beantragten WEA auf dem Tannenkopf gibt. Da sie zu hoch sind, stören sie den Wetterradar des DWD, kleinere Anlagen wurden seitens GGEW wegen der mangelnden Wirtschaftlichkeit abgelehnt.

 

Es bleibt damit spannend, wie hier am Ende entschieden wird. Ähnliche Sachlagen wurden auch schon von dem einen oder anderen Gericht entschieden, immer zu Gunsten des DWD.

 

Weitere Informationen zu diesem Thema sind zu finden unter:

 

§ 18a LuftVG - Anlagenschutzbereiche der Flugsicherung

Hierzu gibt es einen Flyer des Bundesaufsichtsamt, der das ebenfalls genauer beschreibt:

http://www.baf.bund.de/SharedDocs/Downloads/DE/Publikationen_BAF/BAF_Flyer2013_Anlagenschutz.pdf?__blob=publicationFile

 

WMO Guidance Statement on Weather Radar

http://www.wmo.int/pages/prog/www/CIMO/CIMO15-WMO1064/1064_en.pdf

 

DWD Broschüre Wetterradar:

http://www.dwd.de/bvbw/generator/DWDWWW/Content/Oeffentlichkeit/KU/KUPK/Wir__ueber__uns/Broschueren/pdf/Wetterradar__in__Deutschland,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/Wetterradar_in_Deutschland.pdf

 

Fakten zur Radarstation in Dreiech-Offenthal:

http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/region/deutscher-wetterdienst-mit-riesiger-antenne-regen-und-hagel-auf-der-spur-11009334.html

DWD Broschüre
2012_05_10_Anforderungen _DWD_WEA_Radar_[...]
PDF-Dokument [570.0 KB]
Flugsicherheitsanalyse der Wechselwirkungen von Windenergieanlagen und Funknavigationshilfen DVOR/VOR der Deutschen Flugsicherung GmbH
2014_Gutachten_Windenergie_DFS.pdf
PDF-Dokument [2.8 MB]
Quelle: Bundesamt für Flugsicherung; Anlagenschutzzonen

Quelle: Interaktive Karte des Bundesamtes für Flugsicherung (BAF)
http://www.anlagenschutz.baf.bund.de/mapapps/resources/apps/anlagenschutz_v2/index.html?lang=de

Dort 64380 Roßdorf eingeben, und man bekommt die obigen Details der Karte angezeigt.
Das Bild haben wir auch im Media Bereich in der Bildergalerie abgelegt.

Die schwarzen Punkte auf der Karte geben den ungefähren Standort der geplanten Windkraftanlagen an.

 

Alle rot markierten Bereiche in der Karte zeigen den 15 km-Umkreis um die Radarstationen. Nach aktueller Sachlage müssen Bau-Anträge für Windkraftanlagen innerhalb dieser Anlagenschutzzonen gesondert durch die Deutsche Flugsicherung (DFS) in Form einer Luftfahrthindernisprüfung und im Rahmen eines signaturtechnischen Gutachtens durch das Bundesamt für Flugsicherung (BAF) und in unserem Fall auch durch den Deutschen Wetterdienst (DWD) hinsichtlich ihres negativen Einflusses geprüft werden.

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