Windräder: Todesfallen für Fledermäuse

(c) DER SPIEGEL, Getty Images/ National Geographic Creative

Sämtliche Fledermäuse gehören in Europa zu den streng geschützten Arten.
Laut Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) ist es verboten, diese Tiere zu verletzen, zu töten oder ihre Fortpflanzungs- und Ruhestätten zu zerstören (§44 Abs.1-3 BNatSchG).

 

Wissenschaftler gehen davon aus, dass bei der Planung von WKA, insbesondere im Wald, in der Nähe zu Feuchtgebieten und Gewässern, die Auswirkungen auf die Fledermäuse nicht ausreichend berücksichtigt werden. Unter Naturschutzgesichtspunkten werden deswegen eine Vielzahl der in Wäldern errichteten WKA naturschutzfachlich rechtswidrig betrieben. Ein weiterer Ausbau von WKA im Wald wird zu einer massiven Beeinträchtigung der Fledermäuse führen. Bei einer solchen negativen Bestandsentwicklung würde die Bundesrepublik Deutschland auch gegen die Ziele der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie 2 (FFH-Richtlinie) der EU verstoßen. Diese gebietet alle Fledermausarten in einem „günstigen Erhaltungszustand“ zu bewahren.

 

Es ist davon auszugehen, dass bestimmte Waldfledermausarten durch Lebensraumverlust und direkte Tötung betroffen sind. Durch die Rodungen im Wald und den damit entstehenden neuen Freiflächen bieten sich für Fledermäuse attraktive Lichtungen als neue Jagdflächen. Somit werden die Fledermäuse regelrecht von den WKA im Wald „angezogen“ und sterben zum einen durch Flügelschlag an den Rotorblättern oder durch das Barotrauma: Durch Verwirbelungen und den Druckabfall hinter den Rotorblättern platzen die Lungen und inneren Organe der Fledermäuse.

 

Die Universität Leipzig wertete 42 Windparks in Deutschland aus, pro WKA starben im Schnitt 12 Tiere. Fledermäuse haben eine auffallend niedrige Fortpflanzungsrate. Da die meisten Arten nur 1-2 Jungtiere pro Jahr zur Welt bringen, sind diese Zahlen umso erschreckender. Umgerechnet auf die bestehenden ca. 25.000 WKA in Deutschland sind das ca. 250.000 - 300.000 Tiere pro Jahr. Tendenz steigend, durch die zunehmende Realisation von WKA im Wald.

In aktuell im August 2014 veröffentlichten Studie des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) hat man nun sogar herausgefunden, dass viele Fledermäuse an WKA sterben, wenn sie auf der Durchreise in ihre Winterquartiere im Süden Europas sind. Sie kamen aus dem nordöstlichen Vebreitungsgebiet in Polen, Baltikum und Russland und die Zugroute geht genau über Deutschland in wärmere Gebiete nach Südfrankreich.

"Man sei noch weit davon entfernt, die Populationsgrößen, demografische Parameter und die Folgen aus WKA für die Überlebensfähigkeit der Fledermäuse zu erkennen", so die Forscher in dieser aktuellen Studie.
Wer eine einzige Fledermaus tötet, kann strafrechtlich belangt werden. Bei den Windkraftanlagen im Wald schaut man nun anscheinend großzügig weg. "Hier weden Artenschutz und Klimaschutz gegeneinander ausgespielt", so die Forscher der Studie.

 

In dem von uns mittlerweile eingesehenen Fledermaus-Gutachten für den Tannenkopf wurden 12-13 Fledermausarten aufgeführt, davon 4 besonders stark gefährdete Arten (Mückenfledermaus, Abendsegler, Kleinabendsegler, Rauhaut-Fledermaus). Insbesondere im Bereich der geplanten Standorte und der Geburtstagsallee wurde eine besonders hohe Aktivität der Tiere festgestellt. Zitat: „In dem strukturreichen Waldbestand und den diversen Waldtypen rund um den Tannenkopf finden sich diverse Biotope, die geeignete Jagdhabitate und Reproduktionsorte für Fledermäuse bieten.“ Der Wald besitzt damit eine hohe Bedeutung für die Fledermäuse. Und weiter kommt das Gutachten zu  dem Schluß: „Die Errichtung der WKA am Tannenkopf kann die Fledermauspopulation gefährden.“

 

Im Gutachten werden deswegen verbindliche Abschaltzeiten für die WKA in den Dämmerungsphasen und Nachtstunden vom 01. April bis 31. Oktober gefordert.

Grundsätzlich gilt: Standorte, die aufgrund ihrer hohen Lebensraumqualität eine überdurchschnittliche Fledermausaktivität aufweisen und damit von besonderer Bedeutung für die Fledermausfauna sind, müssen aus Artenschutzgründen grundsätzlich frei von WKA bleiben oder aber konsequenterweise nur bei starken Wind >6 m/s in Betrieb genommen werden.

 

Ergebnis Arbeitskreis Fledermäuse Dez 2012
expertenpapier Fledermaus.pdf
PDF-Dokument [171.3 KB]

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